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Landesobmann Strohmaier: „Die Politik muss hier wachsam sein“

Vorwürfe gegenüber der Politik der Europäischen Zentralbank äußerte der Landesobmann der Bayerischen Sparkassen und Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Niederbayern-Mitte, Direktor Walter Strohmaier in einem Dingolfinger-Anzeiger-Exklusivgespräch. Die von der EZB angestrebte Marktbereinigung auf dem Bankensektor gehe zulasten der deutschen Regionalbanken.

 

DA: Der Wochenschluss war versöhnlich. In der vergangenen Woche wie auch in den Wochen zuvor legte der DAX eine Berg- und Talfahrt hin. Unter dem Strich hat er seit dem Jahresbeginn um 2000 Punkte verloren. Was ist los an den Aktienmärkten?

Strohmaier: Der DAX ist in den vergangenen Jahren auch teilweise aufgrund mangelnder Anlagealternativen überproportional gestiegen. Kapital sucht immer nach einer Rendite. Daher legen die Leute an der Börse an, nicht unbedingt weil deren Fundamentaldaten so gut sind, sondern weil andere attraktive Anlagenformen fehlen. Ich sehe aufgrund der fehlenden Attraktivität am sicheren deutschen Kapitalanlagemarkt durchaus in mehreren anderen Anlagesegmenten die Gefahr einer Blase auf uns zukommen.

 

DA: Schlittern wir in eine rezessive Phase?

Strohmaier: Überreaktionen beobachten wir auf allen Märkten.Wir leben in einer Zeit der Übertreibungen. Die Bewegungen des DAX sind meines Erachtens derzeit überzogen. Nach Meinung von Ökonomen sind dies keine Vorboten einer globalen Rezession.

„Unser deutsches Finanzsystem mit bisher stabilen Regionalbanken wird hier mit maroden ausländischen Banken auf eine Stufe gestellt.“

 

DA: Aber einer neuen Finanzkrise?

Strohmaier: Aufgrund der enormen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise erwartet die Allgemeinheit auch teilweise zurecht eine Regulierung der Finanzbranche, da sich Teile der Kreditwirtschaft zu weit von der Realwirtschaft entfernt haben. Dem kommt die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) auch nach, leider mit den falschen Instrumenten. Die Märkte sollen bereinigt werden, es werden aber keine Unterschiede gemacht zwischen Krisenverursacher und Krisenlöser. Unser deutsches Finanzsystem mit bisher stabilen Regionalbanken wird hier mit maroden ausländischen Banken auf eine Stufe gestellt. Das geht zulasten der  regionalen Kreditinstitute in Deutschland.

 

DA: Ein Beispiel?

Strohmaier: Die Sparkasse Niederbayern-Mitte hat allein im Jahr 2015 eine Million Euro  für Bankenabgabe und Einlagensicherung bezahlt, obwohl wir daraus nie einen Cent  sehen werden, weil wir ja die Institutssicherung haben, das heißt, eine Sparkasse steht für die andere ein.

 

DA: Wie lässt sich gegensteuern?

Strohmaier: Unser Spitzenpolitiker müssen hier hellwach sein. Deutschland hat in Europa nur eine Stimme. Wie schwer dies ist, sieht man an der Asylpolitik. Es sollte sich auch die Bankenaufsicht in Europa ein Beispiel nehmen an der Aufsicht in Amerika. Hier wird unterschieden zwischen Community-Banken und Wall-Street Banken. Deswegen gewinne ich immer mehr die Überzeugung, dass die EZB-Politik bewusst eine Marktbereinigung in Deutschland herbeiführen will.

 

DA: Ist die notwendig?

Strohmaier: Nein, natürlich nicht, aber man muss hier Realist sein. In Europa gibt es momentan 123 sogenannte systemrelevante Banken. Diese 123 Banken repräsentieren
85 Prozent der Bilanzsumme. Darüber hinaus gibt es 3 500 sogenannte unbedeutende Banken. In Deutschland gibt es 22 systemrelevante Banken und sie repräsentieren 50 Prozent der Bilanzsumme. Die Hälfte der unbedeutenden Banken in Europa sind in Deutschland. Das heißt, wir haben die größte Regionalbankendichte
Europas.

 

DA: Wir haben in Deutschland zu viele Banken?

Strohmaier: In Deutschland kommen auf einen Bankmitarbeiter derzeit 126 Einwohner, in Europa sind es 200 Einwohner. Damit wird deutlich,in der Branche insgesamt sind wir overbankt mit der Konsequenz, dass der Bankenmarkt für Investoren aufgrund des intensiven Wettbewerbs unattraktiv ist. Derzeit verdienen neun von zehn Banken in Deutschland nicht einmal ihre Eigenkapitalkosten.

 

DA: Es steht eine Marktbereinigung an?

Strohmaier: Wir stehen vor einem Jahrzehnt der Konsolidierung in der gesamten Finanzwirtschaft. Entscheidend für die Stabilität einer Bank wird künftig noch mehr wie in der Vergangenheit die Eigenkapitalquote sein. Die Sparkasse Niederbayern- Mitte ist mit einer Eigenkapitalquote von 20 Prozent kerngesund und robust. Das Kreditneugeschäft entwickelte sich auch in 2015 sehr gut und die Einlagen stiegen  moderat. Bei der zentralen Kennzahl der Effizienz eines Unternehmens oder einer Bank, der costincome-ratio liegen wir an zweiter Stelle aller bayerischen Sparkassen.

 

DA: Welche Rolle spielen die Zinsen für das Betriebsergebnis?

Strohmaier: Das Thema brennt der Branche und vor allem den Regionalinstituten
auf den Nägeln. Vom Zinsgeschäft hängt bei allen Regionalbanken zu 75 Prozent das
Betriebsergebnis ab. Wir brauchen ungefähr eine Zinsspanne von zwei
Prozent, die gibt es aber nicht mehr. Das Betriebsergebnis ist daher seit
2010 sinkend und wird nach einer Prognose bis 2020 weiterhin sinken.
Gleichwohl sind wir sehr effizient aufgestellt.

 

„Gute Beratung darf nicht von einer Gebühr abhängig sein und sollte allen Bevölkerungsschichten offen stehen.“

 

DA: Wie wirkt sich der Rückgang der Ertragslage aus?

Strohmaier: Der Rückgang der Ertragslage wird auf Dauer nicht ohne Auswirkungen auf die Kunden bleiben. Die Finanzdienstleistungen werden sukzessive teurer werden. Das Null-Kosten-Konto ist ohnehin bereits bei den Kreditinstituten weitgehend wieder verschwunden. Gute Beratung darf nicht von einer Gebühr abhängig sein und sollte allen Bevölkerungsschichten offen stehen. Deshalb spreche ich mich klar gegen eine Honorarberatung aus.

 

DA: Welche Rolle spielen Industrialisierung 4.0 und Digitalisierung für die Sparkasse Niederbayern- Mitte?

Strohmaier: Rein statistisch sehen wir bereits heute einen Kunden nur noch ein Mal im Jahr in der Sparkassen-Geschäftsstelle zu einer persönlichen Beratung. Zwei Mal im Jahr ruft er an. 24 Mal im Jahr geht er an den Geldautomaten. 120 Mal besucht er unsere Homepage und 192 Mal benutzt er die Sparkassen-app. Dieser Trend wird weitergehen. Ich bin überzeugt davon, dass wir in fünf Jahren eine ganz andere Situation als heute haben. Wir werden aber die  Herausforderungen, die der Megatrend Digitalisierung sowie die Regulatorik und das Zinstief mit sich bringen meistern, wenn uns mehrere Sachen gelingen. Zum einen müssen wir in den Markt investieren. Dankenswerterweise haben wir gute Marktchancen aufgrund unserer Kundennähe und unserer guten Eigenkapitalquote. Wir müssen aber auch in der Produktion schlanker werden und Kosten reduzieren. Wo ein Vertrag bearbeitet wird, ist dem Kunden egal. Die Qualität ist entscheidend. In unserer Organisation sehe ich noch viel Rationalisierungspotenzial in der Zusammenarbeit.  Generell werden wir ein Facelifting erhalten und unsere Belegschaften werden ein Fitnessprogramm absolvieren. Das wird uns gelingen und dann sind wir auch weiterhin zukunftsfähig.

 

Quelle: Dingolfinger Anzeiger, 15. Februar 2016; Winfried Walter

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